Selbstbewusst auftreten auch mit chronischer Erkrankung

21.05.2018   |   20:44 CET

Schon weitestgehend gesunden Menschen fällt es nicht immer leicht, selbstbewusst aufzutreten, wenn sie sich nicht mit ihrem Körper wohlfühlen. Kommt noch eine belastende chronische und mitunter sichtbare Erkrankung hinzu, die den Alltag einschränkt, fällt es nochmals schwerer, selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Ganz normaler Alltag?

Menschen mit chronischen Erkrankungen stehen in vielen Lebensbereichen vor Schwierigkeiten, die sie bewältigen müssen. Ist die chronische Erkrankung zusätzlich noch sichtbar, wie bei Menschen mit Schuppenflechte, kann es vorkommen, dass Mitmenschen einen Bogen um die Betroffenen machen oder ihnen einen abwertenden Blick zuwerfen. Aus Angst, die chronische Erkrankung könne ansteckend sein, werden sie teilweise ganz gemieden oder verletzend behandelt.

Allgemein ziehen Menschen mit einer chronischen Erkrankung in der Öffentlichkeit oft Blicke auf sich. So kann es vorkommen, dass die Betroffenen sich gehemmt fühlen und vor Scham im Boden versinken möchten. Dennoch kann der selbstbewusste Umgang mit der eigenen Erkrankung und den Symptomen helfen, Vorurteilen entgegenzuwirken und sich in der eigenen Haut wohler zu fühlen.

Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein

Für ein gesundes Selbstbewusstsein ist es wichtig, sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen zu kennen, ohne sich selbst zu verurteilen. Wie wird man nun aber selbstbewusst? Was sind wichtige Voraussetzungen und durch welches Handeln wird der Prozess „selbstbewusst werden wollen“ zum Zustand „selbstbewusst sein“ verändert?
Der allerwichtigste Punkt ist: sich selbst zu lieben. Das hört sich vielleicht im ersten Moment nicht unbedingt einfach an, kennt man doch die eigenen Schwächen und Fehler nur zu genau. Doch kein Mensch muss perfekt sein. Vielmehr ist es wichtig, auf die eigenen Stärken zu schauen und sich an Lob und Erfolgen zu erfreuen. Dies führt zu mehr Zufriedenheit und Gelassenheit.

Körpersprache: der erste Eindruck zählt

Doch nicht nur innerlich kann man an seinem Selbstbewusstsein arbeiten; mit einem sicheren Auftreten kann dies auch nach aussen getragen werden. Hierbei helfen bereits kleine Veränderungen der Körpersprache, die automatisch eine souveränere Ausstrahlung mit sich bringen:

  • Aufrechter Gang mit durchgedrückter Brust und erhobenen Schultern
  • Freundliches Lächeln
  • Augenkontakt
  • Starker Händedruck

Ein gepflegtes Erscheinungsbild mit entsprechender Kleidung runden den guten Eindruck ab.
Auch körperliche Betätigung ist hilfreich: Sport verbessert nicht nur die Körperhaltung, sondern trägt auch zu mehr Wohlbefinden und einem besseren Selbstwertgefühl bei. Es muss nicht gleich intensives Training sein – die Bewegung sollte vor allem Spass machen und sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Vorurteilen begegnen

Es kann ausserdem von Vorteil sein, dem verletzenden, unüberlegten Verhalten des direkten Umfeldes offen zu begegnen. Oftmals hilft es, sich als erstes in sein Gegenüber hineinzuversetzen: Ist der andere womöglich einfach verunsichert und weiss nicht, wie er sich verhalten soll? Ist er vielleicht ängstlich, weil ihm relevante Informationen fehlen? Häufig kennen Menschen, die nicht selbst erkrankt sind und keine Betroffenen in ihrem näheren Umfeld haben, viele Krankheiten und ihre Symptome nicht. Daher kann es hilfreich sein, als Erkrankter selbst das kurze Gespräch über die Erkrankung zu suchen und zum Beispiel deren Symptome oder Auswirkungen auf den Alltag erklären. Das Gespräch auf die eigene Erkrankung zu lenken erfordert zwar Mut, aber durch eine kurze Erklärung gibt man dem Gegenüber die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und mit der Situation offener, weniger ängstlich und verständnisvoller umzugehen.

Austausch mit Gleichgesinnten

Neben dem Austausch im Bekanntenkreis ist es für viele Menschen mit chronischen Erkrankungen hilfreich, mit anderen Betroffenen über die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen und sich verstanden zu fühlen. Hier sind beispielsweise Patientengruppen, die regelmässige Gruppentreffen anbieten, eine gute Anlaufstelle.
Auch online, in speziellen Diskussionsforen oder auf Social-Media-Plattformen, können sich Menschen mit bestimmten Erkrankungen mit „Leidensgenossen“ austauschen. Gerade auch an schwierigen Tagen kann es helfen, sich zu verdeutlichen: „Ich bin nicht allein!“.