Myelodysplastische Syndrome (MDS)

Hinter dem Begriff «Myelodysplastische Syndrome (MDS)» steht eine ganze Gruppe von Erkrankungen, bei denen die Ausreifung der weissen oder roten Blutkörperchen, aber auch der Blutplättchen im Knochenmark, gestört ist. Dies bedeutet, dass die Stammzellen nicht vollständig ausreifen können, respektive reife Blutzellen daher funktionsunfähig sind oder nur in zu geringer Zahl gebildet werden. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden immer mehr unreife Zellen im Knochenmark gebildet, welche die normale Blutbildung verdrängen und so den Mangel an gesunden Blutzellen verstärken. Die Folge davon kann eine Blutarmut (Anämie) sein. MDS sind seltene Erkrankungen, innerhalb der hämatologischen Neoplasien (Neubildung von Körpergewebe) aber häufig. Gemäss dem Deutschen MDS-Register rechnet man mit einer Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung von 4 auf 100 000 Personen pro Jahr und für die über 70-Jährigen von 20 auf 100 000 Personen pro Jahr. Überträgt man diese Zahlen auf die Schweiz, ist mit über 300 Neudiagnosen pro Jahr zu rechnen. Das durchschnittliche Alter der Erkrankung liegt bei rund 70 Jahren. Mit der steigenden Lebenserwartung wird auch eine Zunahme von MDS-Patientinnen und -Patienten erwartet. Dies trifft hauptsächlich auf die wohlhabenden Länder zu.

Ursache
Die Ursachen von MDS sind genetische Veränderungen (Mutationen) der Blut bildenden Zellen im Knochenmark, die im Laufe des Lebens zufällig, aufgrund bestimmter genetischer Veranlagungen oder durch spezifische Umwelteinflüsse wie zum Beispiel ionisierende Strahlungen und bestimmte chemische Substanzen, erworben werden. Bei einem kleinen Teil der MDS-Patienten kann die Erkrankung auch auf eine vorhergehende Krebsbehandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie zurückgeführt werden.

Symptome
Mögliche Symptome können sein: Müdigkeit, Schwindel, Blässe, Kurzatmigkeit und ein schnell erhöhter Puls. Diese Merkmale sind auf die Blutarmut zurückzuführen. Weitere Symptome sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Husten, Atemnot, Durchfall, welche wiederum auf einen Mangel an weissen Blutkörperchen zurückzuführen sind. Auch Nasenbluten, Blutergüsse und Zahnfleischbluten können mögliche Anzeichen sein. Dies kann dem Mangel an Blutplättchen zugeschrieben werden.

Behandlungsmöglichkeiten
Bei einer MDS-Erkrankung bieten sich unterstützende, medikamentöse und das Immunsystem hemmende Therapien an. Zu den unterstützenden Therapien zählen Bluttransfusionen, um der Anämie entgegenzuwirken, Eisenchelation zur Entfernung des überschüssigen Eisens im Körper, Förderung der Ausreifung der roten Blutkörperchen, Transfusionen von Blutplättchen und die Förderung der Ausreifung der weissen Blutkörperchen. Immunsystem hemmende Therapien haben zum Ziel, eigene Immunzellen, welche gesunde Vorläuferzellen im Knochenmark angreifen können, zu schwächen. Daneben gibt es medikamentöse Therapien, welche den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome verbessern können. Die einzige Therapie, die zu einer Heilung führen kann, ist die allogene Stammzelltransplantation. Dabei werden Blutstammzellen eines Spenders auf einen Empfänger übertragen. Als Spender kommen sowohl verwandte wie auch nicht verwandte Personen in Frage, bei denen bestimmte Gewebemerkmale so gut wie möglich mit denen des Empfängers übereinstimmen.


Quellen:

  • Gerd Herold und Mitarbeiter; Innere Medizin, Gerd Herold, Köln, 2018