Berufstätig sein mit Multipler Sklerose

21.05.2018   |   20:40 CEST

Was für die Mehrheit der Schweizer selbstverständlich ist, kann sich mit der Diagnose „Multiple Sklerose“ (MS) schlagartig ändern. Einen Beruf auszuüben kann nach und nach zur Herausforderung werden. Viele Patienten stehen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose, die meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren erfolgt, mitten im Berufsleben. Hier stellt sich plötzlich die Frage: Wie geht es jetzt beruflich weiter? Was wird aus meiner Karriere? Werde ich weiter finanziell unabhängig sein? Oft ist die Ungewissheit gross, da zunächst nicht klar ist, wie lange der Beruf noch ausgeübt werden kann und ab wann mit Einschränkungen zu rechnen ist. Zudem sind Patienten verunsichert und wissen nicht, ob sie offen mit ihrer Erkrankung umgehen oder diese zunächst besser verschweigen sollten. Dabei wird die soziale Komponente oft unterschätzt. Denn neben dem Lebensunterhalt bringt der Arbeitsplatz auch Wertschätzung und Möglichkeiten zum sozialen Austausch mit sich.

Gemeinsam mit dem Arbeitgeber flexible Lösungen suchen

MS, die sogenannte „Krankheit der 1‘000 Gesichter“ äussert sich, wie der Name bereits sagt, bei jedem Patienten anders. Mal schreitet sie schneller fort, mal langsamer. Bei einigen Betroffenen kommt es zu Taubheitsgefühlen oder zum Kribbeln in einzelnen Körperteilen. Häufig treten Ermüdungserscheinungen auf, die typisch für die Erkrankung sind. Meistens gehen die Symptome nach einiger Zeit zurück bzw. treten schubweise auf, teilweise schreitet die Erkrankung aber auch stetig voran. So unterschiedlich die Krankheit sich äussert, so unterschiedlich gehen auch Betroffene mit ihr um. Entscheidend ist es daher, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber, flexibel zu sein: Den Arbeitsplatz an die neuen Gegebenheiten anpassen, etwa durch eine Umschulung neue Fähigkeiten erlernen und nutzen, die Stundenzahl reduzieren oder häufiger Pausen einlegen – das sind nur einige Möglichkeiten, die Patienten helfen können, trotz Erkrankung aktiv im Job zu bleiben.

Die eigenen Grenzen kennen

Eine wichtige Grundlage dafür, weiter berufstätig zu sein, ist es, die eigenen Grenzen zu kennen und diese auch zu äussern. Menschen mit MS müssen gerade am Anfang ihrer Erkrankung lernen, sich und ihren Körper richtig einzuschätzen und sich für bestimmte Aufgaben mehr Zeit zu lassen. Was tut mir gut? Was belastet mich? Was kann ich leisten? Welche Faktoren könnten zu Schwierigkeiten führen? Das sollten die Leitfragen für die Zukunft im Job sein. Obwohl es gesetzlich nicht verpflichtend ist, den Arbeitgeber über die Erkrankung zu informieren, kann es durchaus hilfreich sein, mit dem Vorgesetzten zu sprechen. Insbesondere bei einem guten Arbeitsklima lassen sich im Team oft einfacher als alleine Wege finden, die den Arbeitsalltag erleichtern – auch kleine Massnahmen können einen grossen Unterschied machen.

Stress minimieren und für Pausen sorgen

Gerade junge Menschen mit MS können ihren Beruf meist zunächst ohne grössere Anstrengungen weiter ausführen, oftmals über mehrere Jahre und manchmal auch bis zum Rentenalter. Wichtig ist jedoch, schon früh auf die körperliche und psychische Belastbarkeit während des Arbeitsalltags zu achten, um Stress zu minimieren. Darüber hinaus können Menschen mit MS schneller ermüden – regelmässige Pausen während des Arbeitstages sind daher umso wichtiger. Bei verminderter Leistungsfähigkeit helfen Teilzeitstellen und/oder leichtere Tätigkeiten, trotz der chronischen Erkrankung weiter im Berufsleben zu bleiben.


Weiterführende Informationen zum Thema:
Informationen zur Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft:
https://www.multiplesklerose.ch/de/